Taylor Aronson im Porträt

Es gibt diese Momente, die einen guten von einem sehr guten Spieler unterscheiden. Bei Taylor Aronson dauerte es nicht einmal ein ganzes Spiel, ehe jeder der 11.000 Zuschauer in der Berliner Mercedes-Benz Arena erleben durfte, dass Taylor Aronson eben ein sehr guter Eishockeyspieler ist. Aronson kam an der blauen Linie an die Scheibe, holte aus und blickte zum Tor, spielte dann aber völlig überraschend einen perfekten Pass neben den rechten Torpfosten, den Philippe Dupuis dann zur 3:2-Führung für die THOMAS SABO Ice Tigers verwertete.

Es sind diese Momente, die zeigen, dass ein Spieler eine Gabe besitzt, die man auch nicht durch Fleiß und harte Arbeit erreichen kann, nämlich das Spielverständnis. Der US-amerikanische Verteidiger beweist diese Gabe schon seine ganze Karriere über. Sein Spielverständnis gepaart mit seinem Einsatz und seiner Beweglichkeit waren auch die Gründe, warum die Nashville Predators sich seine Rechte beim NHL-Draft 2010 in der dritten Runde sicherten. 

Den Draft-Tag bezeichnet der 26-Jährige heute noch als einen der „schönsten Tage meines Lebens“. Auch wenn er bislang nie die Chance bekommen hat, sich in der NHL zu beweisen („Früher oder später kommt der Tag, an dem ich darüber sprechen werde, aber der ist noch nicht gekommen“),  wird er alles dafür tun, eben doch noch zu dieser Chance zu kommen: „Es wäre großartig, eines Tages in der NHL zu spielen, aber momentan mache ich mir darüber keine Gedanken. Ich will immer dem Team helfen, für das ich gerade spiele, und das sind in dieser Saison die Ice Tigers.“

In Nordamerika entwickelte sich Taylor Aronson von Jahr zu Jahr weiter. Nachdem er zunächst für die Cincinnati Cyclones in der ECHL zum Einsatz kam, erarbeitete er sich nach und nach das Vertrauen des Managements und auch das nötige Vertrauen in die eigene Stärke. Von 2014 bis 2016 spielte er schließlich für die Milwaukee Admirals in der AHL und klopfte an der Tür zur NHL. In zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten war Aronson der punktbeste Verteidiger seines Teams. Erst waren es 32 Punkte in 73 Spielen, dann sogar 40 Punkte in nur 64 Spielen. 

Zur vergangenen Saison zog es ihn zum ersten Mal nach Europa, genauer gesagt in die KHL zu Lada Togliatti. Es war ein schwieriges Jahr, nicht nur für Togliatti, sondern auch für Aronson persönlich, denn der Rechtsschütze war von Beginn an auf sich alleine gestellt, wurde nicht einmal vom Flughafen abgeholt und traf auf ein Team, in dem kein Wort Englisch gesprochen wurde. Vom sportlichen „Erfolg“ ganz zu schweigen, denn Togliatti gewann gerade einmal 21 seiner 60 Saisonspiele und wurde damit Vorletzter der Eastern Conference. 

„Wenn man die Entscheidung trifft, muss man damit leben und sich einfach durchkämpfen“, resümiert Aronson sein Jahr in Russland. „Die Meetings waren alle auf Russisch, weil außer mir jeder Russisch sprechen konnte. Ich habe die Abende praktisch immer alleine auf meinem Zimmer mit Netflix und meinem Handy verbracht.“ Aronson spricht im Nachhinein von einer „schwierigen Situation“ für sich, beendete die Saison aber immerhin mit respektablen 15 Scorerpunkten. Und das, obwohl Togliatti gerade in der Offensive kaum stattfand, wie Aronson berichtet: „Wir hatten keinerlei Zuordnung in der Verteidigung, die Stürmer haben kaum nach hinten gearbeitet. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn du dann gegen Jungs wie Kovalchuk und Datysuk spielen musst.“ Da kam eine Spielpause für Aronson gerade recht, um Deutschland zu besuchen. Für drei Tage flog er nach Berlin, um die bekannten Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Passend also, dass auch Aronsons erstes DEL-Spiel in Berlin stattfand.

Die Entscheidung, nach Nürnberg zu kommen, war für den kalifornischen Verteidiger deshalb umso einfacher: „Es fühlt sich hier alles viel nordamerikanischer an. Jeder spricht Englisch, die Jungs sind super freundlich und haben mich sofort willkommen geheißen. Sie helfen mir bei allem, was ich brauche. Das ist großartig. Ich wusste, dass Nürnberg eine gute, funktionierende Mannschaft hatte. Aber dass der Zusammenhalt wirklich so groß sein würde, hätte ich nicht gedacht.“

Bei den THOMAS SABO Ice Tigers soll Taylor Aronson eine zentrale Rolle in der Spielgestaltung und im Powerplay einnehmen. In der nominell zweiten Formation gelang ihm das in der Vorbereitung auch schon sehr gut. „Kommunikation auf dem Eis ist das Wichtigste für ein funktionierendes Powerplay“, sagt Aronson und greift damit noch einmal eine der größten Hürden in Russland auf. In Nürnberg ist das logischerweise kein Problem. Man merkt Taylor Aronson einfach an, dass er sich in Nürnberg wohlfühlt. Das sieht man auch bei seinen bisherigen Leistungen auf dem Eis.