Hautnah – Der Ice Tigers Blog

17. November 2021 Allgemein ·

Liebe Ice Tigers Fans,

nun ist es endlich so weit: „Hautnah“, der offizielle Blog der Nürnberg Ice Tigers bietet euch ab heute regelmäßig einen exklusiven Blick in den Tiger-Käfig. Wir liefern euch Berichte abseits des Eises, aktuelle Interviews und Hintergrundinformationen rund um die Ice Tigers. Autor des Blogs ist Jens Riesner von unserem Historymarketing-Partner Historica.

Alle Texte spiegeln ausschließlich die Meinung und Eindrücke des Verfassers wider.

Es soll ja mittlerweile hochprofessionelle Software geben, die Spielpläne für Profiligen erstellen kann und dabei sogar auf blockierte Termine Rücksicht nehmen kann. Für diesen Freitag hat das bei der DFL nicht geklappt. Denn der Club und die Ice Tigers tragen heute ihre Heimspiele parallel ab. Gleichzeitig finden im Messezentrum noch die Consumenta und die Vorbereitungen für „Wetten, dass…?“ statt.

Das vorprogrammierte Verkehrschaos sorgt dann ab der Münchener Straße zuverlässig für Staus und Verzögerungen. Trotzdem schaffen es zu Spielbeginn knapp 3.400 Zuschauer in die Arena – und haben damit einen deutlich besseren Riecher als die 25.000 Besucher im Max-Morlock-Stadion. Denn während der Club mit 1:2 verliert, liefern sich die Ice Tigers und die Grizzlys Wolfsburg ein extrem hochklassiges Duell.

Eine kleine Überraschung gibt es bei der Aufstellung, denn Ilya Sharipov wird für seine gute Leistung in Bietigheim mit einem weiteren Starteinsatz belohnt. Das frühe 1:0 erlebt der in dieser Saison blendend aufgelegte Backup (mittlerweile eigentlich 1b) noch mit, dann ist nach drei Minuten Schluss. Es ist wohl das Knie, jedenfalls steht der Junge Goalie ab dem letzten Drittel mit Krücken an der Bande.

Definitiv zu erwähnen ist das angesprochene 1:0, den endlich darf Marko Friedrich sein erstes Erfolgserlebnis für seinen Heimat- und Herzensverein bejubeln. Unter Tom Rowe hatte die Formkurve wieder deutlich nach oben gezeigt und heute belohnt sich der gebürtige Rother. Wie sehr das vor allem den Coach selbst freut, zeigt sich, als Friedrich wieder auf der Bank Platz nimmt, von Rowe einen anerkennenden Klapps auf die Schulter erhält und ein sinngemäßes „Ich habe es dir ja gesagt!“ zu hören bekommt.

Das Spiel bleibt rasant und extrem spannend, denn die Grizzlys können das Spiel trotz 2:0 Rückstand noch einmal drehen und sogar mit 3:2 in Führung gehen. Doch wie bereits in Bietigheim stimmt mittlerweile das Selbstvertrauen der Ice Tigers. Dennoch braucht es erst den 6. Feldspieler, um die Mannschaft in die Verlängerung zu retten. Den Zusatzpunkt sichert – natürlich – Patrick Reimer mit einem sehenswerten Penalty.

Den ganzen Abend hängt über dem Spiel eine gewisse Retro-Atmosphäre und immer wieder fühlt man sich in das gute alte Lindestadion zurückversetzt. Im Umlauf duftet es nach Glühwein und Bratwürsten, wie früher im Strafbank-Stüberl und auch der DJ denkt heute an die alten Zeiten.  Sei es der schon lange nicht mehr gehörte „McDonald‘s-Jingle“ zur Strafe der Wolfsburger, oder das altbekannte „Wild Thing“, das man früher immer angespielt hat, wenn Johnny Craighead sich mal wieder einen Gegenspieler vornahm. Dann zu guter Letzt auch noch „Eye oft the Tiger“ – Ach ja, die alten Zeiten.

Doch glücklicherweise sind wir mittlerweile in der trockenen und warmen Arena und die Ice Tigers sind eine feste Größe in der DEL. Nach dem heutigen Abend darf man zudem vorsichtig hinzufügen: „und das werden sie auch bleiben!“

Der Pinktober ist Geschichte. Am vergangenen Sonntag wurde gerade erst auch der letzte rosafarbene Stofffetzen der Brustkrebs-Vorsorge-Aktion von der Ausrüstung entfernt. Doch schon am Montag zeigen sich beim Training in der Arena seltsame Veränderungen in den Gesichtern der Spieler. Besonders Co-Trainer Manuel „Kofi“ Kofler ist mangels Vollbart kaum wiederzuerkennen. Stattdessen ziert ein gezwirbelter Vollbart das markante Gesicht. Natürlich – Es ist Movember, der Monat des Schnauzbartes.

2003 entstand der Moustache (Mo)-November in Australien als Aktion zur Sensibilisierung für die männliche Gesundheitsvorsorge. Seit 2012 ist der Movember auch in Deutschland bekannt und wird vornehmlich im Eishockey zelebriert.

Mit neuer Oberlippenverzierung treten die Ice Tigers an diesem Mittwoch beim Liganeuling in Bietigheim an. Dass die Steelers Wiedergutmachung für die herbe 2:8-Klatsche in Bremerhaven leisten wollen, zeigt sich schnell. Vor einigen Wochen hätten die Ice Tigers nach dem 0:1-Rückstand Mitte des 2. Drittels vielleicht noch das Spiel verloren gegeben. Aber mit neuem Selbstbewusstsein und drei Siegen im Rücken spielt es sich nun einmal leichter. Da aber sowohl Königstiger Patrick Reimer wieder in bestechender Form ist und sich die Reihe Fox-Jahnke-Fleischer zunehmend in einen Rausch spielt, kommen die Ice Tigers an diesem Abend souverän zurück. Am Ende steht es 2:1, auch dank eines überragenden Ilya Sharipov (ohne Schnauzbart).

Vier Siege in Folge können die Schützlinge von Tom Rowe nun verbuchen und stehen mittlerweile zumindest auf einem Pre-Playoff-Platz. Der Movember kann kommen.

Fotos: Timo Raiser

Halloween-Spieltage sind ja immer für Überraschungen gut. Auch an diesem 31. Oktober war einiges anders als gewohnt. Auf den Tribünen tummelten sich Monster, Gespenster und Hexen und auf dem Eis trugen die Ice Tigers erstmals ihr nachtschwarzes 3rd-Jersey. Nachdem Iserlohn trotz Corona-Ausfällen 15 Spieler zusammengekratzt hatte, konnte die Halloween-Party dann auch tatsächlich steigen.

Patrick Reimer höchstpersönlich übernahm mit den frühen 1:0 den passenden Auftakt und Fleischer legte nach 25 Minuten nach. Wie bereits gegen Straubing präsentierte sich die Formation Jahnke-Fox-Fleischer auch an Halloween in bestechender Form. Auch das Powerplay-Tor von Whitney brachte die Ice Tigers nicht aus der Ruhe. Kurz darauf stellte Gregor MacLeod den alten Abstand wieder her.

Gar nicht rund verlief der Nachmittag dagegen für den Ex-Tiger Andi Jenike. Der Keeper der Roosters wagte sich zu weit aus dem Tor, erreichte mit seinem Puck Charlie Jahnke und musste zum vierten Mal in diesem Spiel hinter sich greifen. Eigentlich war das Spiel damit gelaufen. Solide Führung, die Roosters mangels Personal körperlich am Ende, da sollte nichts mehr schief gehen.

Doch Brad Tapper, Trainer der Roosters, hatte noch einen unerwarteten Trumpf im Ärmel. Tim Bender beschrieb die Situation später so: „Ich befand mich in unserem Verteidigungsdrittel und wollte zum Bully fahren. Da sehe ich plötzlich, dass etwas nicht stimmt. Plötzlich stehen da sechs gegnerische Spieler.“ Tatsächlich hatte Jenike das Roosters-Tor verlassen. „Da standen noch neun Minuten auf der Anzeigetafel. So etwas habe ich bislang noch nicht erlebt.“

Zwar lassen sich die Ice Tigers nicht aus dem Konzept bringen, doch die Roosters können sich im Angriffsdrittel festsetzen und Strafen provozieren. Die wenigen Befreiungsschüsse der Nürnberger gehen entweder knapp daneben, oder an den Pfosten. Wie brüchig das neu gewonnene Selbstvertrauen noch ist, zeigt sich, als die Roosters bis auf 3:4 herankommen. Doch dank eines hervorragend aufgelegten Niklas Treutle und einer kämpferische Leistung bleibt der Halloween-Horror in der Arena aus und die Ice Tigers feiern an diesem Sonntag das erste 6-Punkte-Wochenende der Saison.

Lange haten die Ice Tigers warten müssen, um endlich wieder am Spielbetrieb teilnehmen zu können. Die Spiele gegen München und Düsseldorf waren coronabedingt ausgefallen und beim Spiel gegen Krefeld war Coach Rowe gerade erst ein paar Tage in Nürnberg. Der Sieg gegen Wolfsburg aber deutete schon etwas an, was der neue Trainer anders machen will. Bissiger und klüger soll die Mannschaft agieren, unnötige Strafzeiten vermeiden und besser gegen den Puck spielen.

Die neue Marschroute war bereits im Training deutlich zu erkennen und tatsächlich wirkt auch das Spiel der Ice Tigers nun deutlich aggressiver. Auch Marcus Weber durfte nach überstandener Verletzung endlich wieder aufs Eis zurückkehren. „Natürlich hätte ich dem Team gerne schon früher geholfen, es ist nie schön, verletzt zu sein, aber so ist der Sport.“ beschreibt er die Zeit am Rande der Bande. Viel wichtiger: „Das Knie fühlt sich gut an!“

Mit Weber und neuem Selbstvertrauen zeigen die Ice Tigers eine solide Vorstellung und gewinnen verdient mit 5:3 in Straubing. Sicher in der Defensive, effektiv vor dem gegnerischen Tor und von Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen lassen, nach dieser Vorgabe agiert die Nürnberger Mannschaft- meistens – gegen Straubing. Vor allem, wenn Straubing wieder herankommt, wie beim 1:1 oder dem Anschlusstreffer zum 2:3, haben die Jungs an diesem Abend immer die richtige Antwort parat.

Die Mannschaft tritt insgesamt geschlossener taktisch disziplinierter auf. Unnötige Strafen? Da ist noch Luft nach oben, auch beim Powerplay ist noch nicht alles ideal, aber dennoch zeigt sich deutlich die Handschrift des neuen Trainers.

Besonders die beiden Ex-Iserlohner Tim Fleischer und Marko Friedrich wirken unter dem neuen Trainer wie ausgewechselt. Fleischer trifft gleich doppelt und Friedrich wirkt deutlich giftiger und aktiver als in den bisherigen Partien. Letzterer hat hierfür auch direkt eine Erklärung parat: „Er ist der mit Abstand der erfahrenste Trainer, mit dem meisten Knowhow, mit dem ich bisher arbeiten durfte. Er hat es wirklich geschafft, in nur drei, vier Tagen die ganze Mannschaft in eine komplett neue Richtung zu bringen.“

Für die Ice Tigers ist es der erste Auswärts-Dreier der Saison und bereits der zweite Sieg gegen die Straubing Tigers. So mancher Fan schielt schon jetzt wieder Richtung Playoff-Plätze, doch wie sagt es Tom Rowe so schön: „Wir sind nicht am Boden zerstört, wenn wir verlieren, aber wir heben auch nicht ab, wenn wir gewinnen.“ Also Puck flach halten.

Fotos: Harry Schindler

Die siebte und achte Saisonwoche 18.10.-28.10.2021

Die vergangenen Wochen hatten den Ice Tigers vor allem eines zu bieten: Spielausfälle. Als hätte sich der Eishockeygott gegen die Nürnberger verschworen, mussten wegen Corona-Fällen in München und Düsseldorf gleich zwei Spiele der Ice Tigers ausfallen. Also Zeit genug, um mit dem neuen Trainer Tom Rowe einmal ein ausführliches Gespräch zu führen. Warum er die Spielausfälle sogar als „Glück im Unglück“ sieht, woher sein Spitzname T-Rex kommt und was er mit Chris Brown gemeinsam hat, verrät er uns im entspannten Kabinengespräch.

Ihr hattet ja jetzt einige unerwartete spielfreie Tage wegen der Corona-Absagen. Konnten Sie die Zeit auch nutzen, um etwas von Nürnberg zu sehen?

Tom Rowe: Nein, tatsächlich habe ich bisher noch nicht viel von der Stadt sehen können. Ich war voll damit beschäftigt, die Dinge hier bei den Ice Tigers zum Laufen zu bringen. Ich habe mir viele Videos angesehen und mit Kofi über einige Dinge gesprochen. Ich war nur kurz in der Innenstadt und hab mir die Einkaufsmöglichkeiten angesehen. Das war es dann aber auch schon bis jetzt.

Haben Sie schon vor dem Engagement bei den Ice Tigers von Nürnberg gehört?

Rowe: Ob ich schon von Nürnberg gehört habe? Natürlich! Eine unglaubliche Geschichte hat diese Stadt. Bei uns in den USA sind vor allem die Nürnberger Prozesse bekannt. Das ist bei uns noch immer eine große Sache. Und der Christkindlesmarkt natürlich. Ich freue mich schon sehr darauf, dort hinzugehen. Das Einzige, was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass es die Hölle ist, in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden.

Ich habe auch schon eine Nürnberger Bratwurst zur Begrüßung bekommen. Außerdem hat mich Kofi schon mit einigen Bieren von hier bekannt gemacht, das war wirklich gut (Co-Trainer Kofler hatte allerdings nur Tegernseer und Augustiner Bier aus seiner Heimat mitgebracht, das fränkische Bier blieb dem Coach bislang leider verwehrt).

Frage: Welchen Eindruck haben Sie bislang von der Organisation bekommen?

Rowe: Die Verwaltung hier ist unheimlich gut organisiert, bis ins kleinste Detail. Wolfgang hat mich sehr herzlich empfangen. Das war wirklich unglaublich. Wenn Du wie ich als Ausländer neu herkommst, und die haben alles schon fertig, Auto, Wohnung, die ganzen Visa- und Arbeitsunterlagen, das ist beeindruckend. Ich habe zu meiner Frau gesagt „Das ist wie eine NHL-Organisation bei uns organisiert!“ Sehr, sehr gut. Das ist wirklich super.

Auch die medizinische Abteilung ist super organisiert, genauso wie die Equipment Manager. Ich habe noch nie eine so saubere Umkleide wie hier erlebt. Die machen alle einen riesigen Job.

Und ich muss sagen, ich liebe die Spieler hier wirklich. Sie haben richtig hart gearbeitet. Wir haben viele Sachen von Ihnen gefordert auch bei der Arbeitseinstellung. Wir haben an der Offensive und an der Defensive in den vergangenen Tagen intensiv gearbeitet. Ihre Einsatzbereitschaft war hervorragend. Das ist eine echt gute Truppe, wirklich gut.

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der Mannschaft?

Rowe: Die Stärke ist definitiv im Puckbesitz. Ich denke, wir können ein richtig dominantes Team bei eigenem Puckbesitz sein. Das ist vorhanden. Die Schwächen sich eher im defensiven Bereich zu suchen, vor allem im Spiel ohne Puck. Wir müssen besser verstehen, was wir machen müssen, wenn wir den Puck nicht haben. Wenn sie wissen, was sie tun sollen, verstehen die Spieler das auch und setzen es um. Ich habe das Gefühl, dass der Fokus darauf bislang zu wenig war. Die Hauptaufgabe als ich ankam, war es, die Abdeckung im eigenen Drittel besser herauszuarbeiten und einen klaren Verteidigungsplan aufzustellen, wenn wir den Puck nicht haben. Wenn wir den Puck haben, wollen wir angreifen und nach vorne gehen. Wir wollen Eishockey spielen, dass für die Fans spannend und aufregend ist.

Haben Sie die spielfreien Tage für eine Art Mini-Trainigslager genutzt?

Rowe: Ja, definitiv. Tatsächlich war es ein Glück im Unglück für uns, denn ich hatte dadurch die Gelegenheit, die Spieler besser kennen zu lernen. Kofi und ich konnten uns auch besser kennen lernen und wir konnten einige Spielabläufe und natürlich unser System in Ruhe trainieren. Also war es aus unserer Perspektive schon hervorragend, auch will die Jungs wirklich hart gearbeitet haben.

Lassen Sie uns auch kurz über den Menschen hinter dem Coach sprechen. Was ist Ihre Lieblingsmusik?

Rowe: Country/ Western

Dann haben Sie ja etwas mit Chris Brown gemeinsam…

Rowe: Ja, Chris Brown ist ein Junge aus Texas. ich wohne in South Carolina. Wir sind also beide echte „Rednecks“ und die lieben eben Country Music.

Haben Sie schon einige Lieder auf die Playlist in der Kabine geschmuggelt?

Rowe: (grinst) Nein, da halte ich mich raus.

Die USA sind für Ihre Eishockey-Filme bekannt. Bevorzugen Sie „Slapshot“ oder „Das Wunder von Lake Placid“?

Rowe: (lacht) Ich liebe „Slapshot“ und kenne sogar einige der Jungs, die da mitgespielt haben, aber trotzdem ist „Miracle“ mein klarer Favorit. Also wird Dr. Sutton auch nicht vorbeikommen.

Wie erholen Sie sich nach einem harten Arbeitstag?

Rowe: Meine liebste Erholung nach einem Arbeitstag? Ehrlich gesagt gehe ich am liebsten Heim und entspanne mich bei einem guten Buch. Wenn ich das nicht mache, gehe ich in der Stadt spazieren und schaue mir alles an. Das werde ich übrigens auch hier machen, sobald sich die Gelegenheit bietet. Ich will definitiv etwas von der Geschichte der Stadt erfahren.

Frage: Haben Sie ein persönliches Lebensmotto?

Rowe: Ich will die Leute einfach mit Respekt behandeln und hart arbeiten. Ich versuche die Menschen einfach so zu behandeln, wie ich gerne von ihnen behandelt werden möchte. Ich habe zuhause zum Glück eine großartige Ehefrau, die mich unglaublich unterstützt. Sie ist unglaublich positiv und hat mich in dieser Hinsicht unglaublich zu meinem Besseren beeinflusst. Wir sind nun vierzig Jahre verheiratet. Deswegen: Behandle die Menschen mit Respekt und hab eine gute Zeit.

Sie sind in Lynn geboren. Es gibt dort ein altes Sprichwort: „Lynn, Lynn the city of sin. You never get out the way you come in!“ Was hat es damit auf sich?

Rowe: (Lacht) Oh mein Gott. Ich kann es nicht glauben! Ich wusste sofort, als Sie von dem alten Sprichwort angefangen haben, was Sie meinen. Bislang hat in Europa noch niemand von diesem Sprichwort gehört. Ich muss sofort meine Brüder dort anrufen. Aber es war eine sehr harte Stadt. Es gibt übrigens noch ein anderes Sprichwort: „Lynn, Lynn, the city of sin. Where the girls say no, but they always give in!“

Damals als ich jung war, haben wir alle Sportarten ausprobiert. Football, Baseball, Basketball und Eishockey. Aber direkt neben Lynn liegt Boston und damals spielte Bobby (Orr) für die Bruins. Also haben wir Alle Eishockey gespielt, oder zumindest haben wir so getan, als würden wir Eishockey spielen. Jedenfalls ist jeder mit Hockey-Sachen durch die Gegend gerannt.

Können Sie uns kurz zurück in die Zeit zwischen den Anfängen in Lynn und ihrer ersten Station in London, Ontario mitnehmen?

Rowe: Ich habe damals nur in der Gegend rund um Lynn gespielt, als schließlich ein Scout von den Bruins auf mich zukam und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, einige Zeit in Kanada zu spielen, sie hätten dort ein Jugendteam. Ich sagte zu, auch weil ich mich mit den kanadischen Spielern messen wollte. Ich dachte, ich bleibe dort zwei Wochen, werde dort überrannt und fahre wieder heim. Aber es stellte sich heraus, dass ich es in die Mannschaft geschafft habe und so blieb ich dort drei Jahre. Aber wenn du es damals in die NHL schaffen wolltest, musstest du diesen Weg gehen. Und dann kam ich in die NHL.

Aber Sie haben nie für die Boston Bruins gespielt.

Rowe: Nein, ich wäre fast dorthin gewechselt, habe mich dann aber für Detroit entschieden. Tatsächlich hatte ich mein erstes Profispiel in der NHL gegen Boston und mit meinem ersten Schuss im ersten Spiel in der NHL gleich mein erstes Tor geschossen. Ausgerechnet gegen mein Kindheitsidol Gerry Cheevers. Ein unglaublicher Moment.

Ihr Spitzname war T-Rex! Von wem haben Sie den bekommen?

Rowe: Wow, Sie haben sich schlau gemacht. Ich kann das gar nicht glauben! T-Rex kam glaube ich daher, dass ich wohl so ähnlich ausgesehen habe wie der Dinosaurier, wenn ich mich aufgeregt habe. Ich weiß allerdings nicht, wer das erfunden hat. Es muss aber in San Antonio begonnen haben. Die Spieler hier haben den Spitznamen noch nicht mitbekommen, aber ich glaube, dass wird sich schnell ändern. Blake Parlett kennt ihn nämlich aus unserer gemeinsamen Zeit in San Antonio.

Wenn sie den Coach Tom Rowe beschreiben müssten, welche Sätze würden Ihnen einfallen?

Rowe: Ich denke, ich bin ein fairer Coach, aber auch fordernd. Es gibt einiges, das ich nach meinen Vorstellungen umgesetzt haben will, aber auch einige Bereiche im Spiel, bei denen ich den Spielern Freiheiten gewähre. Ich möchte eine Beziehung zu meinen Spielern aufbauen. Ich denke, das ist der einzige Weg, wie man heute als Trainer erfolgreich sein kann. Ich habe da in der Vergangenheit sicherlich einige Fehler gemacht. Ich war vielleicht zu hart und habe einige Spieler damit verletzt. Es hat dann oft lange gedauert, sie wieder auf meine Seite zu ziehen. Deswegen verzichte ich jetzt lieber darauf. Daran hat letztlich niemand Spaß.

Einer der für mich absolut großartig in unserem Team ist, ist Patrick Reimer. Er ist sehr ruhig, aber er sendet mit dieser Ruhe eine klare Botschaft in der Umkleide aus. Das hat mit als Trainer ungemein geholfen, hier anzukommen.

Wenn Sie europäisches und amerikanisches Eishockey vergleichen, worin bestehen die größten Unterschiede?

Tom: Ich glaube, dass hier alle vier Reihen ausgeglichener sind. Vielleicht nicht so sehr in Linz, wo ich zuvor war. Aber hier in Nürnberg haben wir auch eine vierte Reihe, die spielen kann. In Nordamerika können sie das zwar mittlerweile auch, aber als ich oder auch Usti damals noch gespielt haben, waren in der vierten Reihe nur die Tough Guys. Außerdem glaube ich, dass die Spieler in Europa mehr Freiheiten in ihrem Spiel haben als in der NHL. In Florida und Toronto gehen sie mittlerweile diesen Weg, aber generell müssen die Jungs in Nordamerika sich strenger an das System halten.

Frage: Haben Sie schon Pucki getroffen?

Rowe: Wen? Ach, das Maskottchen. Ja, beim ersten Heimspiel haben wir uns abgeklatscht.

Was ist Ihr persönliches Ziel für diese Saison?

Rowe: Üblicherweise würde ich sagen, wir wollen in die Playoffs. Aber ich habe heute erst den Jungs gesagt, dass wir nicht auf die Tabelle achten werden. Wir werden jeden Tag hart arbeiten und den Prozess, den wir begonnen haben, gemeinsam weitergehen. Es gibt in jedem Spiel einen Puck, der nicht das macht, was du willst und er eben nicht ins Tor geht. Aber wenn ihr weiter so hart arbeitet und euch stetig verbessert, werden wir mehr Spiele gewinnen als verlieren. Was weder Kofi noch ich wollen, ist dass die Jungs abheben, wenn wir gewinnen oder am Boden zerstört sind, wenn wir mal verlieren. Ich habe so viel Vertrauen in diese Mannschaft, dass wir sicher sind das wir den weg erfolgreich gehen werden.

Am Ende stand es 3:1 für die Augsburger Panther. Ob es anders ausgegangen wäre, wenn die Schiedsrichter den Protesten von Ryan Stoa gefolgt wären und sich das Tor zum 3:0 noch einmal per Videobeweis angesehen hätten, bleibt fraglich.

Letztlich hatten es die Ice Tigers einmal mehr versäumt, aus ihren guten Chancen Tore zu machen. Doch das Phantomtor überschattete nach Spielende eine objektive Analyse. Bereits vor dem Eröffnungsbully hatte Sportchef Stefan Ustorf die Referees auf ein Loch im Tornetz hingewiesen. Doch offenbar waren die Spielleiter mit dessen Zustand zufrieden und ließen da Spiel laufen. Bis in der 38. Spielminute – Sekunden nach dem 2:0 – Adam Payerl den Puck erneut ins Nürnberger Tor beförderte.

Es ist in dieser Saison ja leider nicht ungewöhnlich, dass sich die Ice Tigers sich Doppelschläge einfangen, schon gar nicht in diesem verflixten Mitteldrittel, doch diesmal ging es nicht regelkonform zu. Der Puck war durch eben jene Lücke durch das Tornetz gerutscht, die Ustorf zuvor beanstandet hatte.

Die Folgen sind bekannt, der Treffer zählte, das Ergebnis bleibt bestehen. Zum Glück! Denn ein anderes Phantomtor besiegelte vor 27 Jahren den Abstieg des Clubs in die 2. Fußball-Bundesliga. Der 1. FC Nürnberg war gegen den FC Bayern München angetreten. Es stand 0:0, als Thomas Helmer den Ball an Torwart Andreas Köpke vorbei, neben den linken Torpfosten ins Aus schoss. Doch der Schiedsrichter entschied auf Tor, Helmer entschied sich, den Mund zu halten und die Bundesliga hatte einen handfesten Skandal.

Doch anders als am vergangenen Sonntag, wurde das Spiel wiederholt. Die Bayern gewannen 5:0 und der Club stieg ab. Es mag sein, dass die Punkte am Ende der Saison fehlen und dass Die DEL unglücklich agiert hat, doch die Augsburger führten bereits mit 2:0 und Adam Payerl ist sicherlich kein böser Vorsatz nachzusagen.

Also sollte das Thema ad acta gelegt und die eigentlichen Probleme angegangen werden. Wie man hört, soll es sogar schon einen großen Retter geben. Wer es ist, weiß man noch nicht. Aber hinter Phantomtoren werden sich die Spieler nicht verstecken können.

Fotos: Thorsten Franzisi

Die erste Oktoberwoche hatte es in sich: Ein großer Geburtstag, ein umjubelter Rückkehrer, eine Bruchlandung und ein Phantomtor. Es gab also so ziemlich alles, was sich das Eishockeyherz erwartet. Nur leider keine Punkte. Egal, eigentlich warten doch sowieso alle auf den neuen Coach der Ice Tigers, von dem außer Stefan Ustorf aber noch keiner weiß, wer es sein wird.

Es war alles angerichtet für eine große Party. Die Eisbären Berlin hatten sich angekündigt, allen voran Leo Pföderl – nach wie vor Publikums-Liebling in Nürnberg. Zudem fand zum ersten Mal ein Spiel ohne Mundschutz statt.

Es konnte also gefeiert werden, denn der Dienstälteste Nürnberger feierte just an diesem 7. Oktober 2021 seinen 24 Geburtstag. Die Rede ist natürlich von Pucki, der seit 1997 die Fans begeistert. Grund genug, einmal kurz auf die Entstehung (pardon, Geburt) des berühmtesten Plüschtigers Deutschlands zurückzublicken.

In der Saison 1996 wechselte mit Michel Valliere vielleicht nicht einer der besten, aber mit Sicherheit einer der beliebtesten Torhüter an die Noris. Die Ice Tigers waren zu dieser Zeit bestenfalls mittelklassig in der DEL und galten vielen als graue Maus. Doch bereits eine Saison später änderte sich im altehrwürdigen Lindestadion so ziemlich alles.

Denn ab der Saison 1997/98 hatten die Ice Tigers plötzlich gelbe Trikots und ein riesiges rotes Lebkuchenherz auf der Brust. Außerdem hatte Michel eine Idee, die Nürnberg und die Eishockeywelt nachhaltig beeinflussen sollte: Die Ice Tigers sollten ein Maskottchen nach NHL-Vorbild bekommen. Und so erblickte „Pucki“ am 7. Oktober das Licht der Eishockeywelt. Seinen ersten offiziellen Auftritt hatte er zehn Tage später bei der Heimniederlage gegen die Berlin Capitals. Der Rest ist Eishockeygeschichte.

Nun war also wieder eine Berliner Mannschaft zu Gast bei den Ice Tigers, um Pucki zum Geburtstag zu gratulieren. Diesmal allerdings gaben die Eisbären und nicht die Capitals ihre Visitenkarte in der Arena ab. Einen kennen und lieben sie in Nürnberg noch immer: Leo Pföderl, der bei den Ice Tigers vom Nachwuchstalent zum Silbermedaillengewinner von Pjöngjang heranreifte und dann in die Hauptstadt wechselte, um Deutscher Meister zu werden.

Doch aller Feierlaune und herzlichen Begrüßungen zum Trotz, waren die Eisbären nicht nach Franken gekommen, um Geschenke zu verteilen. Etwas mehr als ein Drittel lang schien es allerdings so, als könnten die Ice Tigers Pucki ein schönes Geburtstagsgeschenk bereiten, ehe der Deutsche Meister den Spielstand innerhalb kürzester Zeit von 1:1 auf 4:1 hochschraubten. So avancierten die Berliner, wie bereits vor 24 Jahren, zum Party-Crasher.

Geschenkt, Pucki und die Fans feierten trotzdem. Nicht die Mannschaft, aber das beste Maskottchen der DEL – Seit 24 Jahren!

Das Auswärtsspiel in Düsseldorf ist schnell erzählt: Offener Schlagabtausch, zu viele Strafzeiten im Mitteldrittel und am Ende eine knappe 1:3 Niederlage.

Es war ein ordentliches Spiel der Ice Tigers, das man auf unterschiedlichste Weise mitverfolgen konnte. Magenta Sport übertrug für seine Abonnenten live, das Fanradion war ebenfalls am Start und digital hielt einen der Live-Ticker stets auf dem neuesten Stand.

Den Nachbericht kann man sich dann bei Frankenfernsehen am Montag, via IceTigers TV im Netz oder in der lokalen Tageszeitung zu Gemüte führen. Die Eishockey News bietet zudem jede Woche alle Informationen, die der Eishockey-Fan benötigt. Eigentlich alles perfekt, aber dennoch gibt es bei den Fans Grund zu Unmutsäußerungen am Rande der Heimspiele.

Zum Beispiel stellt sich die Frage, warum sich von der berühmten Tageszeitung mit den vier Buchstaben so gut wie nie ein(e) JournalistIn in die Arena verirrt, während sie in anderen Eishockeystadien Stammgäste sind. Weshalb in Hamburg sogar die Crocodiles in besagter Boulevardzeitung eine ganze Seite erhalten, während es in Franken nur zu einem kleinen Fünfzeiler reicht.

Auch das Missverhältnis im Amateursport wirft Fragen auf. Klar, Fußball ist eine Liga für sich. Warum aber berichtet die Lokalpresse „andauernd von den Amateurhandballern, aber nie von den 80ern?“. Tatsächlich scheint ein Redakteur hier eine klare „Pro-Handball-Marschroute“ vorgegeben zu haben. Vom Eishockey oder Basketball fehlt im Amateurbereich dagegen (fast) jede Spur.

Dabei wird hier wirklich etwas geboten. Der Nürnberger Eishockey-Nachwuchs ist top. Auch den Herren mit den vier Buchstaben sei empfohlen, einmal zu den Ice Tigers zu gehen. Sie könnten sonst etwas verpassen.

Zugegeben, vor dem ersten Aufeinandertreffen zwischen Ice Tigers und Panther in dieser Saison beschleicht dem ein oder anderen Nürnberger Fan ein ungutes Gefühl. Immerhin waren die Begegnungen mit Ingolstadt die unrühmlichen Tiefpunkte der vergangenen Saison.

Doch eigentlich ist ja jetzt alles anders. Statt Frank Fischöder steht jetzt Stefan Ustorf hinter der Bande und damit eine echte deutsche Eishockey-Ikone.

Die Fans aus Ingolstadt interessiert das dagegen herzlich wenig. Spätestens seit der Ära Sabo sind die Nürnberger der erklärte Erzfeind, dem man bitteschön auch heute – idealerweise zweistellig – aus der Halle schießt.

Doch in eigener Halle wollen die Ice Tigers Revanche nehmen. Besonders zwei Routiniers brennen auf Wiedergutmachung und so schießen Chris Brown und Patrick Reimer – natürlich wie immer unterstützt von Tyler Sheehy – die Panther quasi im Alleingang ab. Brown sichert sich vier Assists, Reimer schießt seine ersten beiden Saisontore und am Ende feiern die Nürnberger einen hochverdienten Derbysieg. Besonders Gäste-Coach Doug Shedden ist nach der deutlichen 5:2-Niederlage deutlich bedient.

Mission erfüllt, Revanche geglückt und während die Fans feiern, macht sich Stefan Ustorf wieder auf die Suche nach einem neuen Trainer. Der muss aber so viel Autorität mitbringen, wie er selbst. Mindestens!

Vor dem Heimspiel gegen Straubing gibt es in der Arena nur ein Thema: Die Entlassung von Frank Fischöder. War es zu früh? War es zu spät? Die Meinungen gehen unter Fans und Fachleuten hier weit auseinander. Wesentlich wichtiger aber ist die Frage: „Wer übernimmt den Trainerposten“. Natürlich kursieren wieder die üblichen Wunschkandidaten Stephen Reinprecht, Kurt Kleinendorst oder Rob Wilson, aber die weilen ja bekanntlich alle in den USA. Angeblich gibt es eine lange Liste an möglichen Nachfolgern, doch so recht will auch den Fans kein passender Kandidat einfallen.

Vor dem Spiel ist alles beim Alten, aber irgendwie fehlt zumindest mir als Eishockey-Romantiker noch immer das kultige „SEEERVUS“, das noch vor einigen Jahren traditionell jedes Heimspiel eröffnet hat. Vielleicht könnte man ja mal wieder?…

Auch das „Und hier ist Sie, die Mannschaft der Nüürnberg Ice Tigeeeers“ fehlt heute beim Einlauf. Die Technik hat gestreikt. Dass die neue Pregame-Show nur via Smartphone und nicht auf dem Videowürfel zu sehen ist, ist aktuell technisch nicht anders zu lösen. Wer also wissen will, wie es dem verletzten Marcus Weber geht und wer jetzt neuer Coach wird muss leider auf sein eigenes Endgerät zurückgreifen. So viel sei verraten: Mao geht es jedenfalls schon besser und wer künftig hinter der Bande steht weiß eh noch keiner. Wäre das schon einmal geklärt.

Nicht geklärt ist, wie die Mannschaft heute reagieren wird. „Wir wollten was beweisen. Da haben am Samstag Leute den Job verloren.“ Hat Niklas Treutle die Marschrichtung vorgegeben.

Das klappt im ersten Drittel zunächst überhaupt nicht. Die Mannschaft will, leistet sich kleine Unaufmerksamkeiten und große Aussetzer und liegt plötzlich 1:3 zurück. Leidtragender ist Turtles Schläger, den der Goalie wutentbrannt gegen seinen Torpfosten drischt.

Immerhin, der emotionale Ausbruch zeigt Wirkung. Turtle wird in diesem Spiel kein Tor mehr zulassen. Dafür sorgen Sheehy mit einem Hattrick und Dane Fox mit zwei Toren für große Erleichterung. Hatte man nicht vor einiger Zeit noch „Fox on the Run“ von Sweet eigenspielt, wenn der Kanadier mal wieder einen Sahnetag erwischt hat? Und wo ist heute überhaupt der Twistman?

Egal, wichtig ist, die Ice Tigers zeigen ihre Krallen und in der Arena tönen wieder fröhliche und kreative Fangesänge (sind die neu, oder habe ich die nur bislang nicht mitbekommen). Die Mannschaft gewinnt schließlich verdient mit 6:3 und die Fans, insbesondere die jungen Damen, haben mit Tyler Sheehy einen neuen Helden gefunden. Der smarte Amerikaner kommt offensichtlich nicht nur wegen seiner Tore sehr gut an.

Die Rote Laterne hat nun Krefeld und so können sich Fans und Journalisten wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Während das Donnerwetter heute nur außerhalb der Arena stattfindet, wird trotz Dauerregens auf dem Heimweg nur darüber diskutiert, wer denn nun Trainer werden soll? Kleinendorst? Nein! Oder doch? Vielleicht? Wer weiß?

Die Vorzeichen waren schon vor der Abfahrt ins „Ländle“ klar. Gegen die Schwenninger Wild Wings muss nun endlich ein Sieg her. Tatsächlich führen die Ice Tigers nach zehn Minuten dank Blake Parlett verdient mit 1:0. Was folgt wird an dieser Stelle nicht weiter kommentiert. Am Ende stehen ein desaströses 3:8 und der Absturz auf den letzten Tabellenplatz.

Eines aber sollte nicht unerwähnt bleiben, weil es sich seit Jahren durch die Nürnberger Eishockeygeschichte zieht und an diesem Freitag einmal mehr überdeutlich zu Tage tritt: „Der Fluch des Mitteldrittels!“ Er tritt immer wieder auf, ist vollkommen unerklärlich und wird in Fankreisen mittlerweile ernsthaft gefürchtet. Es gab schon Spielzeiten, bei denen man schon froh war, wenn das zweite Dritten ohne Gegentor zu Ende ging. Mittlerweile glaubte man am Kurt-Leucht-Weg ernsthaft, dieses Schreckgespenst endgültig vertrieben zu haben, doch nach den Spielen in Köln und vor allem in Schwenningen ist es wieder da.

Natürlich helfen solche Mythen nur wenig, wenn man derartige Resultate aufarbeiten muss. Es grenzt rückblickend an eine „Self fulfilling prophecy“, dass Frank Fischöder bereits in der Saisonvorbereitung orakelte „Wenn ich die ersten fünf spiele verliere, brauchen wir über meine Pläne in Nürnberg gar nicht mehr zu reden.“ Tatsächlich hatte der Coach fünf der ersten sechs Spiele in der noch jungen Saison verloren. Am Samstagmorgen erfährt dann auch die Mannschaft, was viele in den sozialen Medien schon vermuteten: Frank Fischöder wird als Trainer der Nürnberg Ice Tigers mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Er überbringt die Nachricht persönlich an die Spieler und verabschiedet sich mit den besten Wünschen. Als Interims-Coach steht nun Sportdirektor Stefan Ustorf neben Manuel Kofler hinter der Bande. Torwarttrainer Frank Dietzsch dagegen muss ebenfalls seinen Stuhl räumen.

Dienstagabend-Spiele bieten oft wenig Erzählenswertes. Die Hallen sind nicht gut gefüllt und für die Spieler sind es meist notwendige Aufgaben, die eben absolviert werden müssen. Insbesondere, wenn dem Spiel eine lange Anfahrt vorausgeht. Entsprechend ereignislos fallen solche Spiele dann aus.

Nach einem ereignislosen ersten Drittel herrscht dann spätestens nach der Pause Ausnahmestimmung auf dem Eis. Die Stimmung wird zunehmend gereizter, auch weil, wie Coach Fischöder es später formuliert „von Köln unentwegt Provokationen gegen Treutle“ ausgehen. In bester Wildwest-Manier ging es dann auch schnell drunter und drüber.

Den Bad Guy gab zunächst der Kölner Colin Ugbekile, der fortan mehr Zeit auf der Strafbank, als auf dem Eis verbringt und Dane Fox, der jedem Kölner, der es wissen will, zeigt, wer der Sheriff in der Stadt ist. Insbesondere, wenn Teamkollegen angegriffen werden.

„Das war schon in Ordnung. Dane hat genau das gemacht, was wir in so einer Situation von ihm erwarten.“ erklärt Frank Fischöder später. Tatsächlich werden von beiden Seiten in den folgenden 20 Minuten Nettigkeiten ausgetauscht und jede Unterbrechung zur allgemeinen Rudelbildung genutzt.

Eine der vielen Nürnberger Strafzeiten nutzen die Kölner dann schließlich zur Führung und die Stimmung erreicht den Siedepunkt. Nur wenige Minuten später kocht sie dann über, als Maurice Edwards mitten in eine Nürnberger Druckphase hinein Nicholas Welsh mit einem üblen Open-Ice-Check zu Boden schickt. Eine Aktion, die Eishockey-Nostalgiker verdächtig an die Spielweise der berüchtigten Hanson-Brothers erinnert.

Dane Fox, bereits auf der roten Liste der Schiedsrichter, kümmert sich daraufhin persönlich um den Übeltäter. Einige kurze Haken später ist für beide dann das Spiel vorbei. „Nothing special, just a normal game! That´s Hockey“ resümiert Foxy am nächsten Tag.

Zwar wird nun wieder Eishockey gespielt aber die Ice Tigers müssen sich letztlich mit 2:4 geschlagen geben. „Nur gut, dass sich niemand verletzt hat“ titelt am nächsten Tag die Nürnberger Zeitung und liegt dabei leider völlig daneben. Nicholas Welsh steht zwar am Donnerstag wieder neben dem Eis, sieht aber aus, als sei er gerade in einer Kneipenschlägerei verdroschen worden. Er hat eine Gehirnerschütterung davongetragen und fühlt sich noch etwas „shaky“. Marcus Weber fällt mit einem Innenbandanriss länger aus und auch Jake Ustorf hat sich in Köln am Knie verletzt. Alles im allen also ein Dienstag zum vergessen in Köln.

Spiele können verloren gehen, auch unglücklich. So ist eben der Sport. Doch was am Sonntagnachmittag in der Arena geschehen ist, muss erst einmal sacken. Vor allem, wenn die kleine Tochter einmal wieder mit dabei ist. Wenn die eigenen Kinder mit großen Augen durch die Arena laufen, erinnert man sich gerne zurück, als man selbst das erste Mal beim Eishockey war.

Dann geht das Licht aus und Pucki betritt das Eis. Für Kinder eine noch größere Sensation als das Spiel selbst. Schnell zeigt sich allerdings, dass heute irgendwie der Wurm drin ist. Während der Pre-Game Show versagt, ausgerechnet beim Einlaufen, das Mikro, nur um dann bei der Präsentation der Starting-Six umso lauter eine Rückkopplung zu verursachen. Wenigstens die nachträgliche Ehrung zu Patrick Reimers 500. Spiel für Nürnberg kann störungsfrei vollzogen werden und die Fans ihren Helden hochleben lassen.

Etwas mehr als 3.000 Nürnberger Fans und eine Handvoll Bremerhavener Gäste sehen dann von Beginn an druckvolle Ice Tigers. Auffällig ist nicht nur, dass die nordamerikanischen Neu-Tiger allesamt einen positiven Eindruck hinterlassen. Vor allem die Routiniers, allen voran Patrick Reimer – sprühen nur so vor Spielfreude.

Marcus Weber sticht dabei besonders heraus. Aus dem hoffnungsvollen Allrounder ist ein echter Leistungsträger geworden. Immerhin hat er nun auch schon 296 Spiele für die Ice Tigers absolviert, war immer zuverlässig und konstant nun aber noch einen Tick besser. Eine logische Entwicklung wie er selbst findet: „Mei, ich versuch den Jungs zu helfen. Ich bin jetzt auch keine zwanzig mehr, sondern doch schon 28. Ich versuch halt ein bisschen mehr Leader in der Mannschaft zu sein und hoff, dass ich das ganz gut hinbekomme.“ Mission erfüllt, denn hinten stehen die Ice Tigers ziemlich solide. Auch weil Ilya Sharipov eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass er mittlerweile in der DEL angekommen ist.

Wie stark die Mannschaft wirklich ist, zeigte sie heute nachdrücklich. Technisch gut, taktisch phasenweise schon sehr weit, aber leider auch meisterlich im Auslassen von Großchancen. So befinden sich die Ice Tigers dann doch unvermittelt im Rückstand, nach dem ersten Gegentor in Unterzahl. Der Stimmung der kleinen Fans tut das keinen Abbruch, denn in der Drittelpause verteilt Pucki fleißig Autogramme.

Gut gelaunt geht es in das zweite Drittel und die Freude steigt, als die Ice Tigers mit zwei sehenswerten Toren verdient in Führung gehen. Was folgt sind reihenweise Großchancen, eine klare Dominanz gegen zunehmend zurückgedrängte Bremerhavener, aber eben keine Tore.

Als im letzten Drittel alles darauf hindeutet, dass die Ice Tigers den 2:1-Vorsprung über die Zeit bringen, fällt, dank eines Sonntagsschusses von Jan Urbas, der Ausgleich. Das Drama des vierten Spieltages nimmt seinen Lauf. Ein vergebenes Solo und ein verschossener Penalty in der Overtime später, schieben Spieler und Fans gleichermaßen Frust. Denn das 2:3 der Pinguins lässt die Ice Tigers mit einem mageren Pünktchen zurück. Selbst die Gäste scheinen nicht richtig zu verstehen, wie Ihnen dieser Sieg gelungen ist. Auch auf dem Platz neben mir ist Frust angesagt. „klar komm ich wieder mit,“ verspricht meine Tochter „aber nur, wenn die Ice Tigers versprechen, dass sie dann gewinnen!“

Spiele gegen Mannheim wecken besonders bei alteigesessenen Fans viele schlechte Erinnerungen, schließlich haben die Adler den Ice Tigers ja zwei Mal den mehr als verdienten Meistertitel vor der Nase weggeschnappt. Und mit Pavel Gross steht aktuell immerhin einer jener Spieler hinter der Adler-Bande, die Nürnberg 1999 eine rauschende Meisterfeier verdorben hatten. Es geht also gegen Mannheim auch immer ein wenig um Revanche.

An diesem Freitag stehen zunächst aber andere Themen im Mittelpunkt. Zum einen der bewegende Abschied der Mannheimer von ihrem Kult-Stadion-Sprecher Udo Scholz, der bereits im Juni 2020 im Alter von 81 Jahren gestorben war. Ein echtes Original, das den Kultspruch „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ erfunden haben soll.

Weniger Begeisterung zeigen die Mannheimer für unseren Königstiger Patrick Reimer. Er läuft an diesem Abend zum unglaublichen und unerreichten 500. Mal für die Ice Tigers in der DEL auf. Nur Michael Weinfurter hat für die „Achzger“ – vornehmlich in der Zweiten Bundesliga – mit 521 Einsätzen mehr Einsätze absolviert. Der Capitano gibt sich angesichts des Jubiläums allerdings gewohnt bescheiden: „Wenn man so lange ohne größere Verletzungen Eishockey spielen darf, kommt eben ein bisschen was zusammen. Aber ich freue mich sehr, das erreicht zu haben.“

Für seine Teamkollegen ist es daher offensichtlich keine Frage, dem Jubilar ein besonderes Geschenk zu machen. Sie liefern den Mannheimern ein packendes Duell auf Augenhöhe. Coach Fischöder hatte bereits zuvor klargestellt, dass die Ice Tigers immer auf Angriff spielen werden „So ist unsere Mannschaft zusammengestellt und so wird sie auch am besten spielen.“

Zu keinem Zeitpunkt können die Mannheimer, mit ihrer trotz Ausfällen hochklassig besetzten Mannschaft, das Spiel klar dominieren. Im Gegenteil. Obwohl Niklas Treutle kurzfristig ausfällt, stehen die Ice Tigers kurz vor dem ersten Sieg in Mannheim seit Langem. Marcus Weber hatte zuvor bereits prophezeit „Da ist alles drin, wenn wir so auftreten wie gegen Bietigheim.“ Tatsächlich sieht es lange nach einer Überraschung aus, doch wer seinen Chancen nicht nutzt, hat eben das Nachsehen. So steht es am Ende dann doch 3:2 für Mannheim und es bleibt die Erkenntnis, dass mit dieser Nürnberger Mannschaft definitiv zu rechnen ist.

Eineinhalb Jahre waren vergangen, seitdem sich die Ice Tigers am 8. März 2020 mit einem 3:2 nach Verlängerung gegen die DEG zum letzten Mal ihren Fans präsentiert hatten. Dann kam Corona. Doch an diesem 13. September 2021 trifft endlich wieder zusammen, was zusammengehört: Die Ice Tigers und ihre Fans. Bei strahlendem Sonnenschein fiebern beide einander entgegen. Eine Kulisse, wie aus einem Kinofilm.

Für eine passende Atmosphäre wird zeitgleich noch in der Arena gesorgt. Denn in diesen eineinhalb Jahren hat sich viel verändert. Immerhin spielen hier jetzt die Nürnberg Ice Tigers, statt der Thomas Sabo Ice Tigers. An der Bande werden die letzten Korrekturen vorgenommen und Hauptsponsor NCP wartet mit eigens entworfenen Willkommens-Schals auf die Zuschauer.

Auch am Fanshop herrscht geschäftiges Treiben. Nach der Namensänderung gibt es nun ein völlig neues Sortiment, das jetzt noch in die leeren Regale gefüllt werden muss. Die Vorfreude am Stand ist riesig. Da glitzern zwischendrin schon einmal die Augen und die Stimme stockt.

Unten am Eis ist die Stimmung wesentlich entspannter. Coach Fischöder schlendert gelassen und mit einem Becher Kaffee bewaffnet durch den Spielergang, während Niklas Treutle noch in kurzer Hose auf der Spielerbank sitzt und sich auf das Spiel fokussiert.

Dann ist es endlich so weit. Kurz nach halb eins öffnen sich endlich die Tore der Arena und die Fans können endlich die heiligen Hallen wieder betreten. Nicht wenige haben dabei einen dicken Kloß im Hals, andere kommen aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Egal, ob sie aus Nürnberg kommen oder aus Bietigheim.

Was folgt, ist großes Kino und das liegt nicht daran, das Bietigheim einen echten Sheen (Tyler) und einen Michael (Entschuldigung, Mc)Knight in seinen Reihen vorweisen kann.

Der Spannungsbogen steigt. Als die Spieler zum Aufwärmen das Eis betreten, empfängt sie frenetischer Applaus, da werden auch harte Kerle mal kurz weich. Auf den Rängen und bei den Spielern ist pure Freude zu spüren „Es hat sich endlich wieder richtig angefühlt, wir waren einfach nur glücklich!“ freut sich Patrick Reimer. Da bleibt kein Auge trocken.

Noch lauter wird es, als die ersten Fans registrieren, welche Aufwärmtrikots die Spieler gerade tragen. Es sind Retro-Trikots im Design der Saison 1991/92. Als dann endlich auch Pucki wieder das Eis betritt, ist die Stimmung am Siedepunkt.

Entsprechend motiviert beginnen die Ice Tigers die Partie und schnüren Bietigheim – immerhin mit einem Sieg gegen Ingolstadt im Gepäck – im eigenen Drittel ein. Was folgt, lässt hoffen, denn das erste Powerplay der Nürnberger ist von einer selten gesehenen Qualität. Folgerichtig darf sich Tyler Sheeny mit seinem ersten Treffer für die Ice Tigers eintragen. Doch mit den Toren sollte es das erst einmal gewesen sein. Auch für Marko Friedrich ist erst einmal Schluss. Nach einem Ellenbogencheck hinter dem Tor muss er in der Kabine so lange genäht werden, dass er das erste Drittel vollständig verpasst. „Alles gut, aber die Nase sieht jetzt nicht unbedingt schöner aus.“

Das Mitteldrittel zeigt sich spannend, wenn auch nicht immer hochklassig. Filmreif ist dann erst wieder das letzte Drittel. Die Fans dürfen sich erneut die Rückkehr einer Nürnberger Institution freuen, denn der „Twistman“ steht wie gewohnt ratzfatz ohne Trikot da, sobald sein Liedchen ertönt. Fast ist man geneigt zu glauben, die vergangenen 18 Monate hätte es nicht gegeben – wären da nicht die Masken vor der Nase.

„I feel good!“ dürften sich dann auch die Ice Tigers gedacht haben, denn kurz danach trifft Ryan Stoa zum 2:0. Wesentlich beeindruckender ist allerdings das 3:0 von Chris Brown, besser gesagt der vorausgegangene Antritt von Patrick Reimer. Der 38jährige gewinnt nämlich auch noch nach 58 Minuten das Laufduell gegen den Fünf Jahre jüngeren Constantin Braun und legt den Puck dann zielsicher auf. „War schon geil, auch wenn Constantin vielleicht etwas müde war.“ Schmunzelt der Capitano später. Dass es aber weniger an Braun als an der eigenen guten Fitness lang, zeigt Reimer eine Minute später, als er das Spielchen auf der anderen Seite der Eisfläche kurzerhand wiederholt.

Dann folgt das Happy End. Endlich sind alle wieder vereint: die Fans, die Mannschaft, Pucki und natürlich der Twistman. Mit Marko Friedrich ist der „verlorene Sohn“ wieder zu Hause angekommen, Patrick Reimer ist fit wie nie, Chris Brown trifft direkt wieder und Niklas Treutle feiert einen Shutout. Und zum Abschluss spielt der DJ noch „Sweet Caroline“ durch die Boxen. Eigentlich fehlt nur noch Steven Reinprecht, der mit seinem Fahrrad in den Sonnenuntergang davonfährt. Aber dass wäre dann wohl selbst für Hollywood zu viel des Guten.

Vor dem Eishockey-Fest daheim hatte die Liga-Leitung den Saisonauftakt in Iserlohn gesetzt. Für Eishockey Puristen und die Rückkehrer Marko Friedrich und Tim Fleischer ein Highlight, für alle anderen das wohl unangenehmste Auswärtsspiel im DEL-Spielplan. Die enge, laute Halle am Seilersee ist gleichermaßen gehasst, wie gefürchtet. Nicht zuletzt wegen der fanatischen Fans und einem Maskottchen mit ungelöstem Aggressionsproblem.

Diese Begegnung aber ist für alle Beteiligten etwas Besonderes, schließlich hatte man auch in Iserlohn den ersten Spieltag mit Zuschauern lange herbeigesehnt. Es wird laut, die Iserlohner erinnern stimmgewaltig daran, dass im Sauerland „die Mädchen noch wilder als die Kühe sind!“ und „Icey“, der Stoffhahn flattert wieder durch die Eishalle. Marko Friedrich wird mit Sprechchören endgültig aus Iserlohn verabschiedet und als es kurz darauf 1:0 steht, läuft zumindest für Nürnberg alles nach Plan.

Doch statt dem Happy End folgt das Drama. Als Blake Parlett sich nach wiederholten Provokationen zu einem Stockstich hinreißen lässt, erweist er seiner Mannschaft einen Bärendienst. Während der Übeltäter zum Duschen geschickt wird, kassieren die Ice Tigers noch drei Gegentreffer und werden mit 1:4 nach Hause geschickt. Wie oft Frank Fischöder diesmal das F-Wort benutzt hat, ist nicht bekannt. Es dürfte mehr als einmal gewesen sein.

Vieles erinnert an die Playoffs 2016. Auch damals verloren die Ice Tigers das erste Viertelfinale deutlich mit 4:0 am Seilersee. Vielleicht ist es ein gutes Omen für die weitere Saison, dass die restliche Serie damals ziemlich erfolgreich war.

13./14. August – erste Standortbestimmung

Zwei Wochen haben sich die Ice Tigers nun auf und abseits des Eises gequält. Zeit für einen ersten ernsthaften Test. Da kommt das Gäubonden-Turnier in Straubing gerade recht. Auch wenn dieses Mal Corona-bedingt kein Volksfest stattfindet und auch keine Zuschauer im Stadion sind. Letzteres Problem wollen die Verantwortlichen des Profi-Hallensports in Bayern aber in den nächsten Tagen gemeinsam angehen.

Für die Mannschaft liegt der Fokus aber zunächst auf einer ersten Standortbestimmung. Zwei Drittel lang können die Ice Tigers gegen ihre Namensvetter auch gut mithalten, ehe ihnen schließlich die Puste ausgeht und einige Unkonzentriertheiten für eine insgesamt verdiente 3:1 Niederlage sorgen. Immerhin kann Ryan Stoa sein erstes Tor im Tigers-Dress verbuchen.

Wesentlich besser läuft es am Folgetag gegen die Grizzlys aus Wolfsburg, die mit 4:1 nach Hause geschickt werden. Die Stimmung jedenfalls ist prächtig, auch wenn sich das Lazarett zunächst wieder füllt. Doch alle Lädierten haben nur kleinere Blessuren und Coach Fischöder ist sichtlich zufrieden.

4. August – erstes Eis

Nachdem am Vortag noch Fitness-Tests und Fotoshootings das Nachmittagsprogramm bestimmten, dürfen sich die Ice Tigers heute endlich in ihrem natürlichen Element aufhalten und endlich die Eisfläche in der Arena betreten. Besonders für Marko Friedrich ist es ein besonderes Erlebnis, hat er doch als gebürtiger Rother noch im Lindestadion das Eishockeyspielen gelernt und trägt jetzt erstmals als Profi das Nürnberger Trikot. Auch die nordamerikanischen Neuzugänge können heute erstmals das Eis testen und hinterlassen einen durchaus positiven Eindruck.

Für Frank Fischöder ist es ebenfalls ein spezieller Augenblick, musste er doch ganze 12 Monate auf eine richtige Saisonvorbereitung warten. Andere wiederum behaupten hingegen, die Ice Tigers hätten mit der vergangenen Saison eigentlich die längste Saisonvorbereitung aller Zeiten hingelegt und dies lediglich als Spielbetrieb getarnt. Das es dieses Jahr ganz anders laufen wird zeigen nicht nur die ersten Eiszeiten, sondern auch die folgenden Wochen und Testspiele.

3. August 2021 – Trainingauftakt

Gut gelaunt versammeln sich am Dienstagmorgen knapp 25 Eishockeyspieler um – Fußball zu spielen. Nachdem das Eis in der Arena noch nicht ganz fertig ist, beschließt Coach Fischöder eine spontane Runde Fitness und Rasensport auf der benachbarten Wiese.

Doch bevor Athletik-Coach Andreas Gerg seine Jungs zur ersten Einheit bitten kann, schlägt die Nürnberger Stadtverwaltung gnadenlos zu. Am eisernen Tor des Sportplatzes taucht plötzlich ein Mitarbeiter der Stadt Nürnberg auf uns weist die Truppe zurecht „So geht´s fei ned! Habt´s ihr des angmeldet?“ Eine kurze Diskussion und einen Anruf von Stefan Ustorf späte kann es dann doch endlich losgehen.

Andreas Gerg zeigt seiner international besetzten Truppe, wo der Hammer hängt, und hat klare Vorstellung von der Umsetzung seiner Übungen „Der Rücken muss so gerade sein, dass ich ein Weißbierglas drauf abstellen kann!“ schallt es über den Sportplatz. Die nordamerikanischen Spieler erhalten sicherlich schnell eine passende Übersetzung. Das anschließende Fußballspiel (neben anderen Rasensportarten) gewann übrigens Team Reimer gegen Team Mebus.